News aus den Clubs: Zwischen Blühwiesen und Bienenhotel auf dem Golfplatz von Bad Herrenalb-Bernbach
Wenn die Freiwillige Feuerwehr ausrückt, brennt es normalerweise. Doch beim jüngsten Einsatz der „Bambini“-Gruppe ging es auf dem Golfplatz von Bad Herrenalb nicht um das Löschen von Flammen, sondern um das Entfachen von neuem Leben. In einer besonderen Kooperation mit dem Golfplatz Bad Herrenalb-Bernbach war Julia Keller, Jugendleiterin der Freiwilligen Feuerwehr Bad Herrenalb, mit ihren Nachwuchs-Rettern vor Ort, um zu entdecken, dass das Gelände weit mehr ist als eine Sportanlage, nämlich ein wertvoller Lebensraum für Bienen, Insekten und die heimische Artenvielfalt.
Mit dem Elektro-Cart ins Abenteuer
Bei strahlendem Sonnenschein tauschten die Kinder das Feuerwehrauto gegen das Elektro-Cart. Das Ziel: eine frisch gemähte Blühwiese, die darauf wartete, von der „schweren Last“ des Schnittguts befreit zu werden. Unter der Anleitung von Schwarzwald-Guide Sabine Zoller lernten die jungen Naturbegeisterten schnell, worauf es ankommt. „Das frische Grün will ans Licht. Bleibt das Schnittgut liegen, wird das Wachstum artenreicher Wildblumen unterdrückt“, so Zoller. Wo nichts blüht, finden Insekten keinen gedeckten Tisch vor – ein Prinzip, das den Kindern sofort einleuchtete.
Überraschungsgäste im Bienenhotel
Zur lebendigen Lernstation wurde das Bienenhotel des Golfclubs, ud Christian Pribberow, der die Bambini-Gruppe leitet, staunte über das rege Treiben: „Schaut mal, wie viele Gäste hier schon eingezogen sind!“ Begeistert verfolgten die Kinder das Summen und Brummen rund um die Nisthilfe und staunten über die verschlossenen Nisteingänge, an denen sich der große Nachwuchs der Insekten bereits erkennen lässt. Damit das Bienenhotel ein sicherer Rückzugsort bleibt, wurde gemeinsam Hand angelegt. Die Gruppe glättete ausgefranste Bohrlöcher akribisch mit Schmirgelpapier und Akkuschrauber, um Verletzungsrisiken für die empfindlichen Insektenflügel zu minimieren.
Dann wurde die angrenzende, rund 300 Quadratmeter große Blühfläche mit dem Rechen vom Grasschnitt befreit, wobei auch hier der Entdeckergeist nicht zu kurz kam. Neben einer flinken, grasgrünen Eidechse, die durch das Grün huschte, sorgte vor allem ein Fund für großen Jubel: In der für Golfer gesperrten Naturschutzzone hatten sich seit dem vergangenen Sommer über 50 Golfbälle im Grün versteckt. „Ich habe einen Ball gefunden!“, rief Ben begeistert, was Oskar, Lilli und Nele nur noch mehr anspornte, das Schnittgras akkurat zusammenzutragen, um selbst Bälle zu finden. Dass dieser Einsatz bei den aktiven Golfern große Anerkennung findet, zeigte sich am Rand der Aktion: Ein vorbeikommender Spieler war so beeindruckt vom Fleiß der Bambinis, dass er spontan eine Spende für die Jugendkasse der Freiwilligen Feuerwehr übergab.
Nach zwei Stunden war alles fertig und für die kleinen Helfer gab es eine verdiente Stärkung mit Brezeln und Getränken, die sie gemeinsam mit den beiden Greenkeepern Haris Omeragic und Avdo Memic genossen. Für Julia Keller eine gelungene Aktion, die als Fazit des Tages erklärt: „Naturschutz macht Spaß, schafft Synergien zwischen den Vereinen und zeigt, dass auch die Kleinsten schon einen enormen Beitrag zur Artenvielfalt leisten können.“
Lebensraum Golfplatz
Der Baden-Württembergische Golfverband e.V. (BWGV) übernimmt mit seiner Initiative „Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt“ seit 2020 eine bundesweite Vorreiterrolle. In enger Kooperation mit dem baden-württembergischen Umweltministerium wurde das Projekt im Jahr 2025 weiterentwickelt, um den aktuellen Herausforderungen des Klima- und Artenschutzes noch stärker gerecht zu werden. Ein besonderes Paradebeispiel für diese Ambitionen ist der Golfclub Bad Herrenalb-Bernbach, der bereits seit der Geburtsstunde der Initiative als aktiver Vorreiter dabei ist.
Unter der Federführung von Sabine Zoller, zertifizierte Schwarzwald-Guide, haben sich über die Jahre hinweg beeindruckende Projekte direkt auf dem Green entwickelt. Ein weithin sichtbares Symbol für diesen Einsatz ist das über 4,50 Meter große Insektenhotel, das eigens von fünf Auszubildenden der Forstwirtschaft für den Club gebaut wurde. Doch der Schutz der kleinsten Bewohner geht noch weiter: In enger Zusammenarbeit mit dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und mit tatkräftiger Unterstützung der Pfadfinder vom Stamm der Cherusker wurden nicht nur weitläufige Blühwiesen angelegt, sondern im vergangenen Jahr auch ein Sandarium für im Boden nistende Wildbienen geschaffen.
Die Nachhaltigkeit im Bernbachtal ist dabei nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch ganz praktisch erlebbar. Bereits vor Jahren begann der Club damit, gezielt Obstbäume zu pflanzen, um alte regionale Sorten für die Zukunft zu bewahren. Zudem bilden alte Apfelbäume die Grundlage für eine besondere Tradition: Jeden Herbst werden die Äpfel direkt auf dem Gelände erntet und zu eigenem Apfelsaft gepresst.
Ab dem Jahr 2026 wird dieser natürliche Kreislauf durch eine neue Kooperation mit dem ortsansässigen Imker Torsten Schiebenes vervollständigt. Seine Bienenstöcke werden auf dem Golfplatz eine neue Heimat finden, um dort einen exklusiven Golf-Honig aus dem Bernbachtal zu produzieren. Der Golfclub Bad Herrenalb-Bernbach beweist damit eindrucksvoll, dass Golfanlagen nicht nur Orte des Sports sind, sondern lebendige Ökosysteme, in denen Sportbetrieb, Naturschutz und regionale Produktion harmonisch ineinandergreifen.







