Harm gewinnt in Green Eagle
Es ist eine besondere Geschichte. Vor zwei Jahren war Leonie Harm im Kopf durch mit ihrer Laufbahn auf der Tour. Das Karriereende war eingeplant. Doch irgendwie wollte die ehemalige Top-Amateurin dann doch noch nicht aufgeben. Ein Schwungtipp brachte frisches Selbstvertrauen. Das Spiel stabilisierte sich. Von der Zubringer-Tour ging es zurück auf die LET und auch dort konnte die 27-Jährige konstant gute Leistungen abrufen.
Seither ist Harm wieder eine feste Größe im Golf Team Germany – und krönte ihre besondere Comeback-Geschichte nun mit ihrem bisher größten Moment. Aus gut drei Metern fiel ihr kurviger Putt auf der 18 zum fünften und letzten Birdie des Tages. Eine 69 (-4) war die Folge. Das Gesamtergebnis ging runter auf -10 und Harm stellte ungläubig fest, dass sie ausgerechnet in der Heimat den ersten Sieg auf der großen Bühne errungen hatte.
Es war eine ereignisreiche Woche, die mit einem Platzrekord begann, einer zwischenzeitlichen Mini-Formkrise weiterging und mit enorm stabilem Golf aufhörte. Als es ernst wurde im Rennen um den Titel, konnte Harm einen Gang höher schalten – und schließlich als zweite Deutsche nach Alexandra Försterling (2024, Seddiner See) den Pokal beim Heimturnier in Empfang nehmen.
Emotional überfordert
„Ich bin gerade ein bisschen emotional überfordert", freute sich Harm. „Es freut mich riesig, dass ich es hier in Deutschland über die Linie gebracht habe, nachdem ich 2022 schon einmal sehr nah dran war – und das vor diesen Zuschauern, die es am Sonntag alle hier auf die Anlage geschafft haben, macht es zu einem ganz besonderen Gefühl. Ich nehme diesen Moment jetzt einfach auf, verarbeite ihn – und dann gucken wir weiter."
Lange sah es danach aus, als könne Casandra Alexander die deutsche Party beim Amundi German Masters powered by VcG vermiesen. Die Südafrikanerin spielte groß auf und setzte sich mit einer 67 (-6) an die Spitze des Feldes. Doch während sich Nummer 39 der Welt, die in diesem Jahr bereits vier zweite Plätze auf der Ladies European Tour erzielt hatte, auf der Driving Range warmhielt und darauf hoffte, dass keine der Spielerinnen der letzten Gruppen ihre Clubhausführung von neun unter Par unterbieten würde, fand Harm zurück zu jener Form, die sie am ersten Tag einen Platzrekord beschert hatte.
Nach einem eher verhaltenen Start mit sechs Pars und einem Schlagverlust folgten fünf Birdies auf den abschließenden Bahnen. Bogeys: Fehlanzeige. Mit einem Gesamtergebnis von -10 hatte die Deutsche einen Vorsprung von einem Schlag auf die Südafrikanerin, die sich erneut mit einem zweiten Rang begnügen musste.
Nojas Rückkehr endet auf Rang drei
Auch Chiara Noja mischte lange im Titelrennen mit und haderte am Sonntag mit ihrer Ausbeute auf den Grüns. Unter dem Strich war es aber eine erstklassige Woche für die 20-Jährige, die in Dubai lebt. Nach monatelanger Auszeit von der Tour war der dritte Rang (schlaggleich mit Försterling und Anna Huang aus Kanada) in Green Eagle eine Leistung, die viel Selbstvertrauen für die kommenden Turniere gibt.
Ihr Fazit: „Ich bin stolz auf mich. Ich habe gekämpft. Mein Putting war heute nicht optimal, aber ich habe trotzdem mein Bestes gegeben. Ich freue mich natürlich sehr für Leonie. Insgesamt war es ein schöner Tag und ich war eigentlich relativ entspannt. Die ganze Woche war wunderschön. Es hat mir auch mental gut getan, wieder zurückzukommen und über mehrere Tage hinweg solides Golf zu spielen. Jetzt freue ich mich aber auch schon auf die nächste Woche, in der es direkt weitergeht."
Auch Henseleit und Fünfstück unter den besten Zehn
Für Esther Henseleit endete das Heimturnier mit einer Par-Runde auf dem geteilten siebten Rang (-5). Hatte die beste deutsche Golferin aus dem Elite Team Germany zur Halbzeit noch in Führung gelegen, wollten am Wochenende die Birdie-Putts einfach nicht mehr ins Loch. Dennoch genoss die Norddeutsche, die auf der LPGA Tour abschlägt, ihre Zeit in der Heimat.
„An den letzten beiden Tagen habe ich einfach nicht besonders viele Birdies gemacht", analysierte die Solheim-Cup-Spielerin. „Auch heute habe ich eigentlich sehr solide gespielt, aber ich bin nie so richtig ins Rollen gekommen. Insgesamt habe ich gut gespielt, habe aber noch etwas Luft nach oben gelassen. Es macht extrem viel Spaß, vor so vielen Zuschauern zu spielen, die einen bei jedem Schlag unterstützen. Das ist etwas ganz Besonderes bei einem Heimturnier. Ich habe diese Woche viele gute Schläge gemacht und bin insgesamt zufrieden mit meinem Spiel."
Laura Fünfstück war die fünfte Deutsche unter den besten Zehn – und hatte auch am Sonntag ihren großen Moment auf der 18. Vor dem Publikum auf der Schlussbahn lochte die 31-Jährige, die in London lebt, wie in Runde drei zum Birdie und schloss ihr Gastspiel in der Heimat nach einer Par-Runde auf dem geteilten zehnten Rang ab.
„Ich freue mich auf jeden Fall über das Ergebnis", kommentierte die Hessin aus dem National Team Germany. „Insgesamt bin ich im Moment sehr zufrieden mit meinem Spiel. Und es fühlt sich natürlich immer gut an, die 18 mit einem Birdie zu beenden."
Neben dem Quintett unter den besten Zehn hatten auch Helen Briem (T20), Sophie Witt (T22), Celina Sattelkau (T25), Verena Gimmy (T32) und Sophie Hausmann (T53) den Sprung in die Preisgeldränge geschafft.
Mit Harms Titelpremiere geht ein enorm spannendes und aus deutscher Sicht unglaublich erfolgreiches Heimturnier zu Ende. „Ich genieße den Moment", freute sich Stephan Morales, Chef-Bundestrainer Frauen.
„Wir haben eine deutsche Gewinnerin, drei Spielerinnen unter den ersten fünf und fünf unter den ersten zehn – ich weiß nicht, ob es überhaupt schon einmal eine bessere Gesamtbilanz gegeben hat. Leonie war jetzt einfach mal dran. Sie spielt die gesamte Saison sehr konstant und ich habe das Gefühl, dass sie viel gelassener ist als früher – einfach weil sie schon viel durchgemacht hat auf dem Golfplatz. Wir stehen bei den Frauen im Golf Team Germany seit längerer Zeit richtig gut da. Und man darf dabei nicht vergessen, dass mit Olivia Cowan, Aline Krauter, Polly Mack und Isi Gabsa vier Spielerinnen, denen ich ein Top-Ergebnis ohne Weiteres zugetraut hätte, zum gleichen Zeitpunkt auf der LPGA Tour im Einsatz waren."

