Acht Extralöcher, ein Meister: Thriller-Finale bei der Landesmeisterschaft in Sinsheim
Selten hat eine Landesmeisterschaft so viele Nerven gekostet wie diese: Im GC Sinsheim Buchenauerhof brauchte es acht Stechlöcher, um den Titelträger der AK 18 zu ermitteln – in der AK 16 fiel die Entscheidung unter drei Clubkameraden bereits am ersten Extraloch.
Hitze über dem Kraichgau, kein Lüftchen am ersten Turniertag, dazu ein Platz, der keine Nachlässigkeit verzeiht: Der GC Sinsheim Buchenauerhof empfing die besten Nachwuchsgolfer Baden-Württembergs mit Bedingungen, die Kondition und Konzentration gleichermaßen forderten. Eingebettet in die sanfte Hügellandschaft zwischen Weinbergen und Streuobstwiesen präsentiert sich der 18-Loch-Kurs mit seinen Wasserhindernissen, engen Fairways und schnellen Grüns als eine der anspruchsvollsten Adressen des Verbands – ein Slope von 136 vom weißen Abschlag und ein Course Rating von 72,5 unterstreichen den Charakter dieser Anlage. Vor dieser Kulisse trug der BWGV gleich zwei Landestitelentscheidungen aus: die Einzelzählspiel-Meisterschaft der AK 16/18 Jungen über 54 Loch sowie die auf 36 Loch verkürzte AK-29-Herrenmeisterschaft. Die AK-16/18-Titelkämpfe zählen zur BWGV-Rangliste, dienen als Vorausscheid für die Deutsche Meisterschaft und sind WAGR-gelistet – also Teil des Weltranglistensystems der Amateurgolfer.
Drei Tage, drei Titel, ein Nervenspiel
Den ersten Paukenschlag setzte Luis Stürznickel vom Stuttgarter GC Solitude. Fünf unter Par nach 18 Löchern, notiert auf der Scorekarte: eine 67, die ihn an die Spitze der AK 18 katapultierte. Sein direkter Verfolger Luca Jerome Herb vom SC St. Leon-Rot hielt mit einer 70 Kontakt – die Weichen für ein Duell auf Distanz waren gestellt. In der AK 16 markierte Yuke Lu (St. Leon-Rot) mit einer 71 die Tagesbestmarke.
Der Samstag brachte mehr Wind, aber kaum Erholung. Stürznickel legte eine 68 nach, Herb konterte ebenfalsls mit einer 68, und auch Daniel Mauch vom GC St. Leon-Rot spielte sich mit einer 68 in Schlagdistanz. Nach 36 Löchern trennten die beiden Führenden der AK 18 keine Schläge mehr – das Finale würde ein Zweikampf werden. In der AK 16 arbeitete sich Johann Schmitt vom GC Neckartal mit einer 72 nach vorn und hielt das Feld eng beieinander.
Am Sonntag dann die Entscheidung – und was für eine. Stürznickel beendete seine Schlussrunde mit einer 72, in Summe 207 Schläge, neun unter Par. Ein Ergebnis, das nach Titel roch. Doch Herb ließ nicht locker: Mit einer 69 im Rücken glich er punktgenau aus, ebenfalls 207 Schläge, ebenfalls neun unter Par. Bühne frei für ein Stechen um den Landesmeistertitel.
Parallel dazu spielte sich Moritz Frick in die Golfannalen des Wochenendes: Seine Schlussrunde von 66 Schlägen, sechs unter Par, verfehlte den Herren-Platzrekord von 64 nur um zwei Schläge – und sicherte ihm mit 208 Schlägen die Bronzemedaille. Eine Runde, über die in Sinsheim noch länger gesprochen werden könnte.
In der AK 16 zeichnete sich ein ähnlich dichtes Bild ab. Gleich drei Spieler des SC St. Leon-Rot – Hans Huang, Vincent Schneider und Maximilian Endlich – gingen nach 54 Löchern mit exakt 220 Schlägen vom Grün. Auch hier: Stechen. Und hier ging es schneller. Bereits am ersten Extraloch versenkte Huang das entscheidende Birdie, während seine Clubkameraden Par notierten. Titelentscheidung auf einem einzigen Grün. Fair gratulierten die Unterlegenen ihrem Kollegen. Im anschließenden Stechen um Silber, gemäß Zählspielvorgabe, musste sich der zwei Runden lang führende Endlich schließlich mit Bronze zufriedengeben; Schneider, der am Finaltag mit einer 72 die AK-16-Tagesbestleistung ablieferte, sicherte sich Rang zwei.
Zurück zum Hauptakt: dem Duell Stürznickel gegen Herb. Was die beiden AK-18-Spieler an diesem Sonntagabend auf die Bahnen zauberten, war reines Nervenspiel. Erstes Stechloch, die 18 – beide Par. Zweites Stechloch, wieder die 18 – wieder Par. Bahn 17, Par für beide. Zurück zur 18 – Teilung. Die Zuschauer, Eltern und Betreuer, die sich am Rand der Fairways versammelt hatten, hielten den Atem an. Die Spielleitung reagierte pragmatisch: Bahn 1 wurde für den regulären Spielbetrieb gesperrt, um wegen der kurzen Wege zwischen Grün und Abschlag abwechselnd die 1 und die 18 spielen zu lassen.
Am achten Extraloch fiel schließlich die Entscheidung. Stürznickel platzierte seinen Abschlag rechts im Fairway, rund 70 Meter vor das Grün. Herbs Ball landete im linken Rough. Der Stuttgarter spielte seinen zweiten Schlag auf sechs Meter zur Fahne, Herbs Annäherung endete hinter dem Grün. Sein Chip blieb rund 4,5 Meter kurz. Stürznickel rettete Par, Herb verpasste seinen Putt zum Ausgleich – Bogey. Ein Handschlag, ein fairer Glückwunsch, ein neuer Landesmeister. Luis Stürznickel ist Baden-Württembergischer Landesmeister der AK 18 2026.
AK 29 Herren: Souveräner Erfolg für Adrian Zaborosch
Deutlich weniger Dramatik, dafür klare Verhältnisse in der AK 29: Nur drei Spieler hatten sich für die Herrenmeisterschaft gemeldet, weshalb das Format auf 36 Loch verkürzt wurde. Adrian Zaborosch vom GC Bruchsal ließ von Beginn an keine Zweifel aufkommen. Mit Runden von 72 und 73 – netto 145 Schläge – setzte er sich mit acht Schlägen Vorsprung deutlich durch. Silber sicherte sich Jasper Weber mit 153 Schlägen, Bronze ging an Ben Wiss mit 158 Schlägen.
Ein Wochenende, das viel geboten hat: einen Platzrekord-Angriff, zwei Stechen, eine 66er-Runde, klubinterne Podestfeiern und ein AK-18-Finale, wie es die Landesmeisterschaft selten erlebt hat. Für den GC Sinsheim Buchenauerhof bleibt die Gewissheit, einen Meisterschaftskrimi ausgerichtet zu haben, an den man sich noch lange erinnern wird.
Der BWGV gratuliert herzlich allen Siegerinnen und Siegern zu ihren herausragenden Leistungen und bedankt sich bei der Spielleitung des BWGV, der Geschäftsstelle des ausrichtenden Golfclubs sowie dem Greenkeeping-Team für ihren professionellen Einsatz und die hervorragende Organisation, die dieses Turnier erst möglich gemacht haben.



