Die Herren des GC St. Leon-Rot schreiben Geschichte und werden zum 7. Mal in Folge Deutscher Mannschaftsmeister
Noch nie gelang es einer Clubmannschaft zum 7. Mal in Folge den Deutschen Mannschaftsmeistertitel zu erringen – doch St. Leon-Rot macht auch dieses möglich. Die Damen müssen sich im Finale gegen Berlin Wannsee im dritten Anlauf geschlagen geben und werden Vizemeister.

Frank Adamowicz, Trainer des siegreichen Herrenteams aus St. Leon-Rot, mit dem Mannschaftsmeisterschaftspokal (Bild: DGV)
Der Showdown der besten 8 Damen- und 8 Herrenteams Deutschlands wird nun schon zum sechsten Mal in Folge im Sporting Club Berlin (Bad Saarow) ausgetragen. Während die Damen auf dem Parklandcourse von Arnold Palmer spielen, kämpfen die Herren auf dem Linkscourse von Nick Faldo.
Begonnen wird bei beiden mit einer Zählspielqualifikation über 18 Löcher, die die Paarungen für die folgenden Lochspiele festlegt. Bei den Damen werden hierbei 5 von 6, bei den Herren 7 von 8 Einzeln aufsummiert. Und bereits da gab es erste Überraschungen: Beide Plätze waren trotz der Hitze der vergangenen Wochen in einem Topzustand, erlaubten allerdings auch Schläge, die unter normalen Umständen nicht unbedingt möglich gewesen wären. Dennoch gab es weniger sensationelle „Unter-Par“-Runden als „Ausrutscher“ nach oben. Und so qualifizierte sich das eine oder andere Team nicht unbedingt gemäß der eigentlichen Spielstärke.
Bei den Damen lief alles zunächst weitgehend nach Plan: Auf Platz 1 St. Leon-Rot, die momentan definitiv eine der besten Damenmannschaften Europas ist. Sophia Popov spielte mit einer 73 (2 unter Par) das beste Ergebnis des Teams, es folgten Carolin Landmann mit 74, Nicole Lingelbach mit 75 Schlägen. Meike Fleck und Leigh Whittaker spielten jeweils eine 79 zu einem Gesamtergebnis von 5 über Par. Berlin-Wannsee kam mit 9 über Par auf Rang 2, bevor die anderen Mannschaften mit etwas größerem Abstand folgten: Rheinhessen +15, GC Am Reichswald (+19), Münchner GC (+23), Düsseldorfer GC (+23), Hubbelrath (+38) und Hamburg-Holm (+40).
Von Jahr zu Jahr werden es übrigens mehr Clubs, die in der 1. Bundesliga sowohl eine Damen- als auch eine Herrenmannschaft stellen. Das liegt zum Großteil daran, dass diese Clubs sehr sportlich eingestellt sind und in Puncto Förderung und Nachwuchsarbeit extrem viel tun. Das ist großartig und zeigt, dass die richtigen Konzepte auch wirklich zum Erfolg führen - hoffen wir, dass noch viele Clubs auf diesem Niveau nachziehen.
Zurück zu den Herren-Ergebnissen, die von Überraschungen nur so strotzten: Der GC Hubbelrath spielte sensationelles Golf, mit Runden von 69 (Par 72), 71, 72, 72, 72,74 und 76, gesamt 2 über Par (506 Schläge) schnellten sie an die Spitze des Leaderboards und verdrängten Rekordtitelverteidiger St. Leon-Rot auf Platz 2. Mit John (70), Lampert (71), Schwind (71), Junge (73), Junker (75), Einhaus (76) und Szappanos de Varad (78) hatten sie ein Teamergebnis von 10 über Par. Stefan Kirstein aus Frankfurt spielte mit 68 Schlägen die beste Runde der Herren und verhalf damit seinem Team entscheidend zu Platz 3. Vierter wurde Aufsteiger Berlin-Wannsee mit 519 Schlägen vor dem Düsseldorfer GC mit 520 Schlägen. Unsere beiden anderen Baden-Württembergischen Mannschaften blieben teilweise extrem unter ihren Möglichkeiten: Mannheim wurde mit 525 Schlägen Sechster und Stuttgart - man fasst es kaum - konnte vier hohe Ergebnisse natürlich nicht verkraften und wurde mit 527 Schlägen Achter (schlaggleich mit Feldafing). Aber wer unsere Teams aus dem Ländle kennt, weiß, dass an Resignation oder Aufgeben in keinster Weise gedacht wird.
Am zweiten Tag starteten die Lochspiele also mit den Paarungen, die sich aus der Qualifikation ergeben hatten: Bei den Damen gewann St. Leon-Rot leicht gegen die Achtplatzierten Hamburg-Holm mit 6:3.
Das Herrenteam aus St. Leon kam ebenfalls locker in die Meisterschaftsrunde: mit 8:4 besiegte man Feldafing. Mannheim machte seinem Ruf als Favoriten-Lochspielschreck alle Ehre und schickte den Drittplatzierten Frankfurt mit 7,5:4,5 in die Abstiegsrunde. Stuttgart hatte mit den „altbekannten“ Hubbelrathern wieder einmal den härtesten Kampf. Aber sowohl in den Vierern, als auch in den Einzeln wurde der positive Verlauf für Stuttgart auf den letzten drei Löchern umgedreht und Hubbelrath gewann letztendlich doch klar mit 7,5:4,5. Man hatte sich also, wie im letzten Jahr, wieder gegen den Abstieg zu wehren.
Doch zunächst machte das Wetter am Samstag einen dicken Strich durch die Rechnung. Nach mehrfacher Verschiebung des Wettspiels wegen Gewitter, konnte erst ab 12:30 Uhr gespielt werden. Die Wettspielleitung entschied sich dafür, nur die Einzel auszuspielen, was gerade in der Abstiegsrunde zusätzlich für Stress sorgt.
Zwischen Stuttgart und dem Düsseldorfer GC bekämpfte man sich mit grandiosen Birdies und lieferte den Zuschauern bis zum letzten Loch und der letzten Partie ein hochdramatisches Match. Maurice Jordan und Max Bauer machten für Stuttgart dann letztendlich alles klar: mit 4,5:3,5 verbleibt das Team damit weiterhin in der 1. Liga.
In den Meisterschaftsrunden setzten sich beide Teams aus St. Leon-Rot durch: die Damen besiegten Reichswald mit 3,5:2,5 und die Herren zogen mit 5,5:2,5 gegen Mannheim ins Finale ein.
Die kleinen und großen Finals konnten am Sonntag dann wieder in gewohnter Manier durchgeführt werden. Morgens vier Vierer bei den Herren und drei bei den Damen, nachmittags die 8 bzw. 6 Einzel. Und es sollte spannend werden.
St. Leon-Rot und die Berliner Damen gingen mit 1,5:1,5 in die Mittagspause, die Herren aus Mannheim-Viernheim verschafften sich mit 3:1 gegen Berlin Wannsee einen Vorteil und auch die männlichen St. Leoner kamen mit 3,5:0,5 sehr vielversprechend aus den Startlöchern. Doch die Einzel hatten es in sich: Zwar holten die Damen aus St. Leon sehr hoch und sehr schnell zwei Punkte, doch dabei sollte es bleiben: alle anderen vier Punkte gingen auf das Wannseer Damenkonto und so konnten sie nach dem dritten Versuch nun mit 5,5:3,5 den Deutschen Meistertitel für sich beanspruchen. Die Bronzemedaille bekam, wie schon im letzten Jahr, der GC Rheinhessen.
Die Berliner Herren kämpften sich gegen Mannheim nach dem Rückstand aus den Vierern ins Stechen und auch St. Leon-Rot begann zu wackeln. Plötzlich fand sich auch dieses Team nach nur zwei gewonnenen und einem geteilten Einzel bei Punktgleichstand 6:6 wieder, also ebenfalls Stechen.
Und wer solch ein Stechen schon mal live miterlebt hat, der weiß, welcher Krimi auf Spieler, Mannschaft und Zuschauer zukommt. Drei Spieler vertreten ihr Team im Lochspiel mit Sudden Death. Die Mannschaft, die zuerst zwei Matches für sich entschieden hat, gewinnt.
Während Mannheim leider Match 1 und Match 3 abgeben musste und damit die Bronzemedaille an Wannsee verlor, sollten es für St. Leon-Rot Allen John, Rodolfo Junge und Alexis Szappanos de Varad richten. Nachdem Allen John sein Match direkt am ersten Loch gewinnen konnte, ging Rodolfos Partie noch auf Loch zwei. Doch der als Dritter gestartete Alexis erlöste den Rekordmeister und holte den zweiten Punkt. Und dann gab es kein Halten mehr - der Jubel über den geschichtsträchtigen Sieg kannte keine Grenzen! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!
Alles in allem wieder eine erfolgreiche Meisterschaft für die Teams aus dem Ländle. Ein tolles Zusammentreffen der Besten in Deutschland, das zudem jedes Jahr an Qualität gewinnt und damit den Clubs in dieser Liga auch einige Aufgaben für die Zukunft aufträgt.
Die Mannschaften im Einzelnen:
Damen, St. Leon-Rot: Carolin Landmann, Sophia Popov, Anne-Catrin Schmitt, Lena Schäffner, Nicole Lingelbach, Leigh Whittaker, Maike Fleck, Karolin Lampert, Kapitän: Mark Mattheis
Herren, St. Leon-Rot: Sean Einhaus, Moritz Lampert, Alexander Matlari, Sebastian Schwind, Christian Schunck, Allen John, Alexis Szappanos de Varad, Marcus Brandt, Rodolfo Junge, Marius Junker, Kapitän: Frank Adamowicz
Mannheim: Michael Fritschi, Gunar Petersen, Christian Fritsch, Niklas Koerner, Yannik Paul, Jeremy Paul, Konstantin v. Beringe, Ralf Petautschnig, Leonard Adolphs, Thomas Biermann, Kapitän: Uli Vogel
Stuttgarter GC Solitude: Max Bauer, Jonas Kugel, Maurice Jordan, Sven Mäder, Timo Machleid, Alexander Barth, Tomek Dogil, Marc Mazur, Florian Fleischmann, Dirk Steinel, Kapitän: Tobias Heim

